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Direkt gehandelter Kaffee – Merkmale und Vorteile

Als direkt gehandelter Kaffee gelten Kaffeesorten, die von einer Rösterei unter Ausschluss von traditionellen Zwischenhändlern oder speziellen Zertifizierungsorganisationen direkt vom Ort der Erzeugung, meist der Kaffeeplantage, bezogen werden.

direkt gehandelter kaffee
Kaffeekirschen auf einer Kaffeeplantage

Direkt gehandelter Kaffee

Man könnte ja meinen, es wäre billiger seine Kartoffeln direkt vom örtlichen Bauern zu kaufen, als im Supermarkt. Man nimmt ja schließlich den direkten Weg zum Erzeuger auf sich und es gibt keinerlei Zwischenhändler, die etwas auf den Preis aufschlagen könnten. In der Realität sind die Preise für Kartoffeln vom regionalen Bauern oft höher. Das liegt zum einen an kleineren Stückzahlen, zum anderen daran, dass der Bauer die Preise weitestgehend unabhängig von Marktpreisen festlegt (vielleicht manches Mal abgesehen vom benachbarten Bauern).

Ein ähnliches Preisgefüge ist auch bei Kaffee zu beobachten. Der Preis für Kaffee im Supermarkt startet bei ca 6 € für ein Kilogramm. Der Kaffee, der von der örtlichen Rösterei angeboten wird, liegt gut und gerne über 20 Euro für 1kg Kaffee. Was sich aber auch deutlich in der Qualität niederschlägt. Sogar ein ungeübter Kaffeetrinker wird merken, dass sich ein Kaffee aus dem Supermarkt nicht mit einem handwerklich gerösteten Kaffee vom lokalen Röster vergleichen lässt.

Der enorme Preisunterschied kommt hauptsächlich durch die Menge und die Qualität zustande. Die großen industriellen Röster kaufen große Mengen Rohkaffee aus verschiedenen Regionen. Die verschiedenen Sorten und Qualitäten werden gemischt und dann industriell verarbeitet. Die Kilogrammpreise ergeben sich aus Marktpreisen, da Kaffee als Rohstoff, genauso wie Öl, an der Börse gehandelt wird.

direkt gehandelter kaffee
Die Rösterei Kijamii Kaffee bezieht direkt in Tansania seinen Kaffee. 
Kijamii Kaffee
Durch den direkten Kontakt zu den Farmern können sinvolle Soziale Projekte vor Ort entwickelt werden.

Handwerksröstereien legen Wert auf Qualität

Die Handwerksröstereien hingegen legen mehr Wert auf gleichbleibend gute Qualität, Handelsbeziehungen und Sortenreinheit des Rohkaffees. Es liegt also auf der Hand, den Kaffee direkt zu handeln, sprich direkt vom Kaffeebauern abzunehmen und individuelle Preise zu verhandeln. Die Preise liegen über dem Börsenpreis, wodurch der Kaffeebauer fairer behandelt wird. Die Preise des direkten Handels sind im Gegensatz zu den Preisen der industriellen Röster nicht an die Börsenpreise gekoppelt, sondern entstehen hauptsächlich aufgrund von Qualitätsmerkmalen und individuellen Absprachen.

Ist dies der Idealzustand, so ist in der Realität oftmals aus logistischen oder organisatorischen Gründen maximal eine Person als Vermittler im Verlauf des Warenflusses zwischen Kaffeebauer und Rösterei zwischengeschaltet. Obwohl der Kaffee im eigentlichen Sinne nicht mehr direkt gehandelt wird, sind die Vorteile dennoch gegeben:

  • Qualität
  • Auswahl frischer und hochwertiger Kaffeesorten, Qualitätsanreize durch höheres Entgelt
  • Nachhaltigkeit
  • Schonender Kaffeeanbau in natürlichem Umfeld, reguläre und langfristige Handelsbeziehungen, konstruktiver Informationsaustausch zwischen Röster und Farmer
  • Fairness & Transparenz
  • Qualitätsorientierte Preise für Rohkaffee, transparentes Handelsmodell

Direkt gehandelter Kaffee – Vorteile

Der Vorteil für die Röster ist die unmittelbare Produktkontrolle und Möglichkeit zur Beeinflussung der Kaffeequalität an ihre Ansprüche. Durch die hohe Transparenz sind sie von begrenzten Angeboten oder spekulativen Informationen von Zwischenhändlern vollkommen unabhängig.

Aufgrund regelmäßiger Kontrollen der Importpartner vor Ort kann die Rückverfolgung der Ernte und ihre Begleitumstände bis zum Ursprung nachvollzogen werden. Durch den höheren Preis ermöglicht direkter Handel einen nachhaltigeren Anbau. Die Bauern sind nicht darauf angewiesen möglichst viel Ernte aus der Natur herauszupressen, sondern eine gleichbleibend hohe Qualität zu liefern. Dies resultiert in einen naturnahen Anbau und in besserer Verarbeitungsqualität. Die damit verbundenen Lebensbedingungen von Bauern und Helfern werden so konstant begleitet und verbessert. Die langfristigen Handelsbeziehungen sichern den Bauern stabile Absatzmärkte und bieten verlässliche Voraussetzungen für Investitionen und Verbesserungsmaßnahmen, die mit riskanten Preisschwankungen weitaus schwieriger zu realisieren wären.

Durch direkten Handel kann der Röster seinen Kunden auch ohne Zertifizierungsstempel konkrete Zusagen bezüglich Qualität und Nachhaltigkeit geben.

Unterschied zu FAIR TRADE

Der direkte Kontakt vom Kaffeeröster zum Kaffeebauern beim Direkthandel-Kaffee sorgt für eine garantierte Abnahme und für effiziente Unterstützung bei den Produktionsvorgängen. Dies trägt zu einer gleichbleibend hohen Qualität des Produktes bei.

Kooperativen, die Fairtrade-Kaffee anbieten, müssen je nach Fairtrade-Siegel verschiedene Auflagen erfüllen und eine Aufnahmegebühr zahlen. Die Aufnahmegebühr ist für viele kleine Kooperativen oftmals nicht zu leisten. Die Fairtrade Zertifizierung sieht u.a. eine Mindestprämie vor, die die Existenz der Kaffeebauern sichern soll. Eigentlich keine schlechte Sache. Die Mindestprämie ist jedoch an den schwankenden Weltmarktpreis gekoppelt. Die gestiegene Lebenshaltungskosten in den Anbauländern und die Mindestprämie laufen seit einigen Jahren nicht mehr synchron. Das hat zur Folge, dass die Prämie schon länger nicht mehr als existenzsichernd gilt.

Direkthandel-Kaffee hingegen erfordert eine etwas höhere finanzielle Investition seitens des Abnehmers, und zwar nicht nur über dem Weltmarktpreis, sondern auch deutlich oberhalb der FairTrade-Mindestprämie. Die langfristigen Handelsbeziehungen sichern den Bauern stabile Absatzmärkte und bieten verlässliche Voraussetzungen für Investitionen und Verbesserungsmaßnahmen, die mit riskanten Preisschwankungen weitaus schwieriger zu realisieren wären.

Fazit

Guter Kaffee erfordert einen guten Preis. Der bei Direkthandel-Kaffee ausgehandelte Preis für Rohkaffee zwischen Bauer und Röster liegt oftmals über dem Niveau vom FairTrade-Prinzip. Wenn der direkte Handel richtig durchgeführt wird, bietet er einen Mehrwert für Bauer, Röster, Kunden und die Umwelt. Ob die gemachten Aussagen über direkten Handel stimmen, ist Vertrauenssache.