Die Kaffeespezies Coffea arabica (Arabica) und Coffea canephora (als Robusta bekannt) kennt fast jeder. Kein Wunder, denn nur diese beiden Arten sind aktuell global wirtschaftlich relevant 1. Aber auch jenseits dieser beiden dominierenden Spezies gibt es Kaffeearten mit spannenden Geschmacksprofilen und interessanten botanischen Eigenschaften. Vor allem mit Blick auf die Herausforderungen, die sich durch den Klimawandel für den Kaffeeanbau ergeben, sind alternative Arten eine nicht zu unterschätzende Chance für die Zukunft des Kaffees.
Liberica und Excelsa Kaffee- zwei eigenständige Kaffeespezies
Liberica und Excelsa Kaffee gehören definitiv zu den nennenswerten Arten. Während diese beiden Sorten oft noch als Varietäten, also Varianten des Coffea liberica (C. liberica var. liberica und var. dewevrei) bekannt sind, zeigte ein aktueller Artikel von 2025, dass es sich sogar um eigenständige Arten handelt: Coffea liberica (Liberica Kaffee) und Coffea dewevrei (Excelsa Kaffee) 2. Das Wissen um eigenständige, unabhängige Pflanzenspezies mit individuellen genetischen Profilen kann hinsichtlich Optimierung und Standortbedingungen von großem Nutzen sein.
Coffea liberica ist sensorisch speziell: Er hat sehr wenig Säure und einen insgesamt polarisierenden Geschmack. Er wird vor allem in Südostasien und auch Westafrika (Liberica- Namensgeber) angebaut und lokal konsumiert. Interessant ist, dass die Pflanze resistenter gegen Klimaextreme wie Dürre und Hitze ist als gängige Sorten.
Coffea dewevrei (Excelsa) trägt im Vergleich zu Coffea liberica zwar mehr, jedoch kleinere Früchte 2. Die Pflanze ist ebenfalls hitze- und trockenheitsresistent und wird in Westafrika als auch Südostasien angebaut. Darüber hinaus hat Excelsa-Kaffee ein komplexes Geschmacksprofil mit fruchtigen und säuerlichen Noten. Er wird hierzulande vereinzelt als Spezialität angeboten (häufig noch unter der Bezeichnung ‚Liberica-Kaffee Varietät Excelsa‘). Das Geschmacksprofil macht diesen Kaffee attraktiv für die Weiterentwicklung. Er könnte gerade in Blends (also Kombination verschiedener Bohnen) Potenzial haben.
Coffea stenophylla
Eine weitere erwähnenswerte Kaffeespezies ist Coffea stenophylla. Es handelt sich hierbei um eine seltene Art, die wild in Westafrika wächst (nicht domestiziert). Sie ist in den letzten Jahren stark in den Fokus der Forschung gerückt, da Coffea stenophylla als bislang einzige alternative Kaffeespezies sensorisch stark an Coffea arabica erinnert. Zusätzlich wächst sie bei deutlich höheren Temperaturen und ist außerdem resistent gegen einige Krankheiten 3. Folglich könnten diese Attribute in Züchtungsprogrammen nützlich werden um sie mit gewünschten Eigenschaften anderer Kaffeesorten zu kombinieren.
Alternative Arten- wo liegt ihr Potenzial für die Zukunft?
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die aktuelle Forschung intensiv mit alternativen Kaffeesorten beschäftigt. Das ist wichtig, um auf die sich ändernden globalen klimatischen Bedingungen zu reagieren und Lösungen zu finden, die Kaffeeanbau auch in anspruchsvollen geographischen Lagen und klimatischen Bedingungen ermöglicht. Dabei werden alternative Sorten untersucht und hinsichtlich ihrer Nutzung eingeschätzt. Bis diese Sorten jedoch eine wirtschaftliche Rolle spielen, ist noch immenser Entwicklungsbedarf nötig. Die Ergebnisse der Forschung zielen ebenso stark darauf, die bestehenden relevanten Sorten Arabica- und Robusta zu optimieren. Hierfür können die Forschungsergebnisse und Eigenschaften (Hitzeverträglichkeit, Krankheitsresistenzen) von alternativen Spezies eine wichtige Rolle spielen.
Literatur
1.Monthly Coffee Market Report. Dezember 2025. International coffee organization https://www.ico.org/documents/cy2025-26/cmr-1225-e.pdf (2025).
2.Davis, A. P. et al. Genomic data define species delimitation in Liberica coffee with implications for crop development and conservation. Nat. Plants 11, 1729–1738 (2025).
3.Jan-Smith, E. et al. Metabolomic insights into the Arabica-like flavour of stenophylla coffee and the chemistry of quality coffee. Npj Sci. Food 9, 33 (2025).
23.Februar 2026 – Dr. Sarah Kranz-Finger
